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Auf einen Kaffee mit Ryan James Ford

Es ist kalt in Berlin. Während ich vom Kotti zum Paul-Lincke-Ufer herunterrolle, bereue ich fast mich für mein Rad entschieden zu haben. Fancy Hipsterrestaurant, Hardwax, noch ein fancy Hipsterrestaurant. Ach, da ist es! Ein winzig kleines Café mit dem Namen Concierge, sein Lieblingsspot. Mit Ryan, dem Barista und mir ist der Laden dann auch schon voll.

Es ist erst fünf Jahre her, dass der gebürtige Kanadier nach Berlin übersiedelte und nach Jahrzehnten von Raves und tiefer Liebe zu einer weiten Palette an Musik endlich den Mut fand sein eigenes Talent zu entdecken und zu entwickeln.

Auf seinen ersten Technotrack auf Marcel Dettmanns MDR in 2014 folgte schon bald eine eigene EP und schließlich eine weitere auf Answer Code Request’s ACR, ein sicherer Weg zur Spitze der Szene. Pulsierender Techno, tief-melodische Klänge, vorantreibende Rhythmen, eine Atmosphäre von Eleganz. Kürzlich veröffentliche er die erste Platte auf dem eigenen Label “SHUT” und es gibt Andeutungen, dass sie Nächste schon sehr bald kommt.

Er ist einer der stärksten Newcomer, ein unglaublich talentierter Producer und Labels der Königsklasse stärken ihm den Rücken. Einladungen in die besten Klubs sind an diesem Punkt keine Seltenheit mehr. Ryan ist eine nette Person, bescheiden. Wir verlieren uns in albernen Blödeleien und sehr viel Gelächter. Jetzt freue ich mich umso mehr diesen ganz besonderen Künstler am Freitag in Budapest und im Lärm willkommen zu heißen.

Was ist denn deine einzigartigste Fähigkeit? Das muss jetzt nichts mit Musik zu tun haben.

Bullshitting. Auf Deutsch würde man wohl sagen ‘Quatschen’. Ich weiß gar nicht was es da sonst noch gibt.
David (der Barista): People skills! Er ist ein Generator. Er generiert und gibt eine Menge Energie. Wenn ich mit dir rede, dann fühle ich mich so aufgeladen, dass ich rausgehen könnte und ganz viel Laufen.
Ryan: In positivem und negativem Sinn. (Gelächter)

Und wie steht es mit Zeichnen?

Na das ist genau die Sache, die mich an Kunst so richtig anpisst. Leute sagen “Ich bin schlecht darin.” Aber sie könnten auch großartig sein. Jeder kann Zeichnen! Manche Menschen sind technisch gesehen vielleicht die schlechtesten Zeichner aller Zeiten, aber sie machen die beste Kunst. Ich habe an der Universität Kunst studiert und dort meinen Abschluss gemacht, hauptsächlich Malerei und Bildhauerei. Aber jetzt verbringe ich eine Menge Zeit mit der Musik. Es ist interessant über diese Dinge nachzudenken, da ich sonst nie darüber spreche. Musiktechnisch mache ich zur Zeit das Beste, was ich je produziert habe und das will ich nicht unterbrechen. Aber ich mache das Artwork für mein eigenes Label. Wenn ich einen Weg finden könnte meine Kunst in meine Musik zurückfließen zu lassen, wäre das wirklich großartig.

Was ist das Erste, woran du denkst, wenn du “Budapest” hörst?

Unbekannt und aufregend! Ich habe meine eigene persönliche Vorstellung im Kopf, ich bin gespannt zu sehen wie es dann wirklich ist.

Was weißt du über den Klub Lärm?

Ich habe das Programm gesehen und ich kenne viele, die dort gespielt haben. Pablo Mateo zum Beispiel, er war letztes Jahr dort. Die Lineups sehen toll aus!

Inwiefern prägen kulturellen Unterschiede deiner Meinung nach das Kluberlebnis? Wie gehst du als DJ darauf ein?

Musikalisch ist es schwierig darauf einzugehen. Klar, du merkst es schon, aber du verbringst dort nur so eine kurze Zeitspanne. Du siehst worauf die Leute stehen und du versuchst deine eigene Stimme einzubringen.

Hast du in dieser Hinsicht schon einen Eindruck vom östlichen Teil Europas?

Es ist ziemlich groß. Polen kenne ich durch meine Freundin ganz gut, aber ich denke alle Länder sind verschieden. Ich war in dieser Gegend noch nicht viel unterwegs, deshalb habe ich noch keine Meinung. Aber in einem positiven Sinn, verstehst du? Ich glaube Osteuropa ist sehr beeindruckend.

Wie bereitest du dich auf ein Set vor? Hast du ein bestimmtes Ritual?

Es ist unmöglich sich auf das Unbekannte vorzubereiten. Ich habe zwar eine Vorstellung, die ist aber jedes Mal falsch, also sehe ich einfach in welche Richtung der Abend geht und gehe mit. Das ist nicht so inspiriert, eher inspiriert von der Nacht an sich.

Was ist für dich das ganz besondere Etwas, das ein gutes DJ Set zum unvergesslichen Erlebnis erhebt?

Das ist das Publikum. Auf jeden Fall.

Was würdest du in der Musikindustrie am liebsten verändern, wenn du könntest?

Die Politik. Das ist alles, was ich dazu sagen will. Es ist so viel Politik in der Musikindustrie. Es wäre schon, wenn sich das verringern würde. Aber ich glaube das ist unmöglich. All die Exklusivität, Menschen, die ausgeschlossen werden ... Können wir nicht einfach alle Drogen nehmen und Tanzen? (lacht)

Was ist deine Verbindung zu Marcel Dettmann und Hardwax?

Das sind auf gewisse Weise zwei verschiedene Geschichten. Was Marcel betrifft, ich habe ihm Musik zugeschickt und wir arbeiten musikmäßig ein wenig zusammen, zum Beispiel hat er meine Tracks rausgebracht. Und das Hardwax, weil einer meiner besten Freunde dort arbeitet. Also gehe ich oft dorthin und verbringe dort ganze Tage. Ich muss denen schon tierisch auf den Sack gehen. (Und wieder lachen wir alle.) Aber durch ihn habe ich mich mit den Leuten dort angefreundet. Nicht mit allen, aber mit vielen. Naja, es ist halt ein cooler Ort. Sie interessieren sich für Dinge, für die ich mich auch interessiere.

Heutzutage hat man als DJ nahezu unbegrenzte technische Möglichkeiten. Warum spielst du lieber digital?

Ganz ehrlich? Für mich ist es hauptsächlich der Grund, dass ich alt bin. Früher habe ich auch schon viele Platten gekauft. Durch die Raves der 90er Jahre ist mir diese Musik ans Herz gewachsen, aber damals war ich noch viel zu nervös, um mich als DJ zu versuchen. Ich habe gar nicht verstanden wie man vor so vielen Leuten spielen kann, trotzdem habe ich Platten gesammelt. Aber diese überallhin mitzunehmen ergibt für mich keinen Sinn. Ich habe früher schon mal Vinyl aufgelegt. Na klar hat dies auch seine Vorteile, aber für mich sind CDJs einfach der Fortschritt. Es ist interessanter für mich, da sich viel mehr Möglichkeiten bieten. Heutzutage gibt es Leute, die mit 10 Platten ankommen, fast nur digital spielen, aber bringen ein paar Platten mit, damit sie sagen können sie legen Vinyl auf. Was macht da den Unterschied?

Sage mir einen Track! Nicht deinen absoluten Lieblingstrack aller Zeiten, nur einfach einen Track.

Hm, ich würde sagen Tim Hecker. Alles was dieser Kerl macht ist atemberaubend. Wenn du ihn nicht kennst, dann hör’s dir an! Es ist wunderschön.

Und nun ein kleines Logikspiel. Locked Groove, Clockwork & Avatism, Zenker Brothers, Somne, Antigone, ... Wie führst du diese Reihe fort?

Ich überlege was hier perfekt passt. Answer Code Request und ... Function. Ich weiß nicht, ob das viel Sinn macht, aber er ist einer meiner absoluten Lieblingsproducer.

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